Konzert-Kritik: Alabama Shakes, 12. November 2015 im X-Tra in Zürich

Die Erwartungen an das Konzert von den Alabama Shakes in Zürich waren überdimensional gross. Der internationale Hype um die Band bricht seit Jahren kaum ab, vor allem seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums Sound & Color. Ihr Name ist in aller Munde der grössten Musikzeitschriften und TV-Sendungen, unzählige Radiosender berichten über diese Musiksensation aus den USA und beinahe ein jeder, der sie schon einmal live gesehen hat, schwärmt in den höchsten Tönen.

Doch was ist dran an dieser allgegenwärtigen Verehrung, ja, beinahe schon Vergötterung?

Der Applaus war bereits immens, als die Band, begleitet von einem bluesig-rockigen Intro, auf die Bühne trat. Noch bevor überhaupt ein Ton gespielt oder gesungen wurde, konnte sich das Publikum kaum mehr beruhigen. Was für ein Empfang für die Alabama Shakes und was für eine bombastische, feierliche Stimmung im X-Tra.

Die darauffolgenden, leider viel zu kurzen 75 Minuten waren ein musikalischer und emotionaler Ausflug in Himmel und Hölle zugleich. Sängerin Brittany Howard kann unmöglich von diesem Planeten stammen, denn ihre Stimme scheint nicht menschenmöglich zu sein. Eine Kopfstimme, die das Blut in den Adern gefrieren lässt, eine kratzig-soulige Bruststimme die einem das Herz zu zerreissen vermag, egal ob leise rauchig, voluminös schreiend oder gar kreischend, ein wahrer Genuss für Körper und Seele auf jeder Ebene. Brittany Howard, die ihre Körperfülle mit betörender Selbstverständlichkeit trägt, die diese wunderbaren Worte und Klänge ins Mikrofon schmettert, als wäre sie selber ein wildgewordenes Instrument in Person – sie muss ein vom Himmel gefallener Engel sein.

Und während die Sängerin mit unfassbar dreister Leichtigkeit und Hingabe ihre stimmlichen Kapriolen fadengerade durch die Boxen jagte, sorgte ihre perfekt eingespielte Band für einen schützenden und präzisen Sound-Mantel, welcher sich um ihre Stimme schmiegte wie eine schnurrende Katze, nur um dann im richtigen Moment auszubrechen und die Soundanlage beinahe zum Bersten zu bringen.

Die arme Soundanlage und der Tontechniker waren dann auch über lange Strecken des Konzerts hinweg schier überfordert mit der musikalischen Naturgewalt, die ihnen da entgegendonnerte. In den ersten paar Songs waren Gitarre und Schlagzeug viel zu dominant und undefiniert, Stimme sowie Piano gingen völlig im Soundbrei verloren. Erst gegen Ende des Sets wurde das Ganze dann etwas stabiler. Und es grenzt an Zauberei, wenn eine Band trotz dieser widrigen Soundbedingungen eine derart famose Show abliefert, dass das nicht einmal richtig zu stören vermag. Vielleicht war es sogar gut so. Wenn man dieses Konzert nämlich perfekt abgemischt und mit einer knackigeren Anlage in einer soundtechnisch besseren Location gesehen hätte, wäre man wahrscheinlich ob der massiven Emotionsballung und Vollkommenheit schlichtweg explodiert.

Die Alabama Shakes haben ihren Southern Blues-Rock mit ihrem ganz persönlichen Charakter perfektioniert. Eine Wucht, wie diese Band mit ihrem Charisma, ihren grandiosen Songs und ihrer musikalischen Professionalität eine Wunderwaffe erschaffen hat, welche die unterschiedlichsten Menschen überall auf der Welt einfach nur begeistert. Also ein absolut gerechtfertigter Hype. Man mag ihnen den frenetischen Jubel nach jedem Song von ganzem Herzen gönnen und es bleibt zu hoffen, dass sie gemeinsam noch für viele weitere grandiose Konzerte und Alben bei uns auf der Erde bleiben und so bald nicht wieder zurück auf ihren Heimatplaneten reisen…

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