Zürich Openair 2016 – Zusammenfassung Tag 3 + 4

Mein Review zu den letzten beiden Tagen vom Zürich Openair 2016. Ich war am Freitag um 18.10 Uhr auf dem Gelände und am Samstag um 18.50 Uhr. Das heisst ich habe folgende Bands nicht gesehen: Pedro Lehmann (leider!), Rival Kings, Tocotronic, ABU, Silver Firs, Theme Park, Wolfman, Coasts. Am Samstag Abend habe ich Dillon und Underworld sausen lassen, da müde und gesundheitlich angeschlagen.

Tag 3

Miike Snow

Miike Snow hat mir ziemlich gut gefallen. Ebenfalls im Elektropop einzuordnen, bot der junge Amerikaner eine unterhaltsame und professionelle Show. Ausserdem kam live auf der Bühne seine Musik viel rockiger und ungezwungener rüber als auf den Aufnahmen und in YouTube-Videos, was mich natürlich sehr angesprochen hatte. Ein ganz guter Start in den Freitag Abend.

Soulwax

Von Soulwax habe ich persönlich eigentlich ziemlich viel erwartet. Jedoch war es nach Miike Snow dann relativ schwierig, im Zelt die Stimmung zu bewahren. Trotzdem kamen die Belgier im Publikum relativ gut an, für mich ein weiterer Elektro-Act unter vielen, und langsam aber sicher fragte ich mich: Wo bleibt beim ZOA dieses Mal die Abwechslung, die ich sonst immer so toll fand an dem Stadtfestival?

Róisín Murphy

Viele kamen am Freitag Abend wohl nur wegen ihr nach Zürich. Die Irin ist bekannt für ihren verschrobenen, elektronischen Indiesound und ihre Extravaganz. Ehemals gehörte sie zum Duo „Moloko“, nun ist sie solo unterwegs. Ihr Konzert am ZOA mag die Fans ganz klar angesprochen haben, es war eine tolle Show. Jedoch ist ihre Musik sehr unzugänglich und für ein Set auf der Hauptbühne meiner Meinung nach eher ungeeignet. Sie wäre für mich jetzt ein typischer Zelt-Act gewesen. Das merkte man dann auch deutlich an der stetig schwindenden Menge an Zuschauern vor der Hauptbühne. Gegen Ende des Sets waren dann schon deutlich mehr Leute im Zelt und warteten auf den jungen Jake Bugg. Zeitweise war man sich auch nicht so sicher, ob Murphy nicht auch einfach eine riesige Modenschau veranstaltete, denn sie wechselte das Kostüm etwa so oft wie Britney Spears zu guten Zeiten… Manchmal wäre weniger eben doch mehr.

Jake Bugg

Der sehr junge Engländer Jake Bugg wurde vom Publikum herzlich und freudig empfangen. Für mich jedoch sank die Vorfreude bereits nach den ersten paar Tönen: Seine Stimme klang live, als würde man ständig auf einem Quietsche-Entchen rumdrücken. Schrecklich! Seine Songs waren eingängig und hatten grosses Potential, aber diese Stimme geht ja gar nicht. Beziehungsweise seine Art zu singen… Hm! Abgesehen davon, dass Bugg wohl nicht so ganz weiss, wo er sich einordnen will. Der Musikstil seiner Songs reicht von Country bis Rock und lässt sich schwer greifen. Talent kann man ihm nicht absprechen, aber ob dieser Act von Bestand ist, sei dahingestellt.

Editors

Die Editors: eigentlich immer sehr gut, aber auch immer ein wenig langweilig. Frontmann Tom Smith gab jedoch alles und tanzte, sprang und sang sich einmal mehr in die Herzen seiner Fans. Ihr Konzert am ZOA war nichts spektakuläres, aber routiniert und solide.

Bloc Party

Bloc Party haben ihre besten Zeiten eindeutig hinter sich. Die Band rund um den energiegeladenen Frontmann Kele Okereke gab auch am Zürich Openair alles und vermochte die tanzfreudige Meute vor der Bühne zu begeistern. Und trotzdem konnten die Briten nie mehr an den Erfolg ihres Albums „A Weekend in The City“ anknüpfen. Nichts desto trotz: Ihr Auftritt am ZOA war einwandfrei.

Massive Attack

Nach drei Tagen quasi nur elektronischer Musik war man diesem Musikstil schon ziemlich überdrüssig. So hatten Massive Attack bei mir am Freitag Abend einen sehr, sehr schweren Stand, obwohl ich mich im Vorfeld ziemlich fest auf sie gefreut hatte. Ich hatte einfach keine Lust mehr, schon wieder einem eher düsteren, vor sich in wummernden Elektro-Act zu lauschen, auch wenn es mit Trip-Hop wenigstens ein bisschen Abwechslung gewesen wäre. So war für mich dann nach ein paar Songs Schluss. Was nicht heisst, dass der Auftritt von Massive Attack nicht wunderbar gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Ihre Wucht kam auf der Hauptbühne sehr gut rüber. Aber für mich wars einfach genug der schweren Musik.

 

Tag 4

Oscar & The Wolf

Die jungen Belgier haben mir sehr gut gefallen. Ihr Set flachte zwar in der Mitte etwas ab, jedoch boten sie, trotz schon wieder Elektro, etwas mehr Abwechslung als andere Bands am ZOA.

Bilderbuch

Die Jungs von Bilderbuch haben für mich persönlich das ZOA gerettet. Endlich einmal etwas anderes, erfrischendes, endlich einmal eine Band, die eine Show bietet, an der alle etwas haben. Spass, Unterhaltung, tolle Musik, tanzbare Musik, lustige Texte, ein Frontmann der affektiert und charismatisch durchs Set führt – ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich habe Bilderbuch bereits einmal live gesehen als Support von den Beatsteaks und war damals schon ganz angetan von den jungen wilden Österreichern. Ganz grosses Lob! Was die Jungs da abgeliefert haben war einfach nur ganz, ganz, ganz grosse Spitzenklasse.

The Strumbellas

Die Kanadier von The Strumbellas haben sich mit ihrem Set auf der Zeltbühne sofort in die Herzen vom Publikum gespielt. Die 6-köpfige Truppe war so herzlich, sympathisch und zugänglich, dass innerhalb kürzester Zeit alle mittanzten und mitsangen. Ebenfalls ein Highlight am ZOA, auch wenn etwas 08/15, denn auch endlich einmal etwas anderes als Elektro.

Kaiser Chiefs

Mein letzter Act am ZOA 2016 waren die Kaiser Chiefs. Ich kenne die Band schon seit sie in den Kinderschuhen steckten. Seitdem hat sich ihr Musikstil meiner Meinung nach zu sehr ins Poppige und Elektronische verändert und das steht ihnen einfach überhaupt nicht. Man hat auch live gemerkt, dass sie sich mit den neuen Songs nicht so wohl fühlen, wie mit den alten. Obwohl lustigerweise das Publikum scheinbar die neuen Songs besser fand, bzw. auf die neueren Sachen mit mehr Enthusiasmus (Tanzen, Klatschen etc.) reagierte. Das Konzerterlebnis wurde ein wenig getrübt, weil Sänger Ricky Wilson sich kürzlich das Bein verletzt hatte und eine Stütze tragen musste. Ich kenne ihn live nicht, aber er wirkte am ZOA ziemlich neben der Spur und etwas „angepisst“. Ob das seine normale Attitüde ist? Jedenfalls wirkte die Performance der Band runtergespielt, uninspiriert und ausser bei ihren Über-Hits wie „Ruby“ oder „Everyday I love you less and less“ zogen einen die Songs nicht wirklich in ihren Bann.

 

Zusammenfassung

Zusammengefasst war das für mich das langweiligste ZOA bisher. Fast nur elektronische Bands, kaum Abwechslung. Die grossen „Reisser“, wirklich tolle, spannende Main Acts haben für mich persönlich gefehlt, genau so wie gute, unterhaltsame Bands zum Entdecken für Zwischendurch gefehlt haben. Die Verteilung der Acts zwischen Haupt- und Zeltbühne war seltsam und teilweise nicht nachvollziehbar. Die generelle Ausrichtung vom Festival auf Elektro scheint Formen anzunehmen, die mir persönlich überhaupt nicht zusagen. Meine Highlights waren: Die Antwoord, Sigur Ros, Bilderbuch und The Strumbellas. Und bitte, liebes ZOA: schafft es nächstes Jahr endlich, endlich, endlich die Leute am ersten Tag pünktlich aufs Gelände zu lassen. Das ist wirklich eine Sauerei, sowohl für die Bands als auch fürs Publikum.

Zürich Openair 2016 – Zusammenfassung Tag 1 + 2

Man sollte ja eigentlich meinen, dass das Zürich Openair langsam aber sicher seine Kinderkrankheiten überwunden haben müsste – dies ist leider noch nicht ganz der Fall. Am ersten Tag verärgerten die Organisatoren die Besucher, in dem sie erst eine halbe Stunde nach erstem Konzertbeginn das Konzertgelände öffneten, diverse Elemente noch nicht fertig aufgebaut waren und ausserdem sämtliche Sitzgelegenheiten fehlten. Auch sorgte das Bändel-Chip-System sowohl beim Einlass wie auch beim Bezahlen an beiden Tagen für einige Schwierigkeiten. Ich zum Beispiel kam am zweiten Tag nicht mehr ins Gelände, da ich angeblich nicht ausgecheckt hatte am Abend zuvor – was aber nicht der Fall war (war schliesslich gar nicht möglich, man kam nur mit Chip-Einlesen wieder raus).

Jedenfalls finde ich, zusammengefasst, ist das Jammern auf hohem Niveau, aber halt sehr ärgerlich, vor allem weil die erste Band Yokko vor einem beinahe leeren Konzertgelände spielen musste. Nun aber ein kleines Review zu den ersten beiden Tagen. Ich war am Mittwoch um 18.40 Uhr auf dem Gelände und am Donnerstag um 17.50 Uhr, weshalb ich folgende Bands verpasst habe: Yokko, Public Service Broadcasting, The Neighbourhood, Al Pride und Klaus Johann Grobe. Ausserdem habe ich M83 in der Mittwoch Nacht ausfallen lassen, da bereits live gesehen und nicht so Fan.

Tag 1

CHVRCHES

Elektropop – wem’s gefällt. Ich fand es ziemlich langweilig und eintönig. Abgesehen davon, dass die Stimme der Sängerin über die Anlage ziemlich quietschig und nervig rüberkam. Weiss eigentlich jemand, wie man den Namen ausspricht?

The Last Shadow Puppets

Ihr Konzert am ZOA16 wurde von Kritikern ziemlich hochgehalten. Ich bin da nicht ganz einer Meinung mit meinen Mitschreiberlingen. Die britische Band rund um Arctic Monkeys-Frontmann Alex Turner hatten ein Streicher-Ensemble dabei, was einen interessanten, beinahe intimen Rahmen bot für ihr Konzert. Jedoch gingen die Streicher im Verlauf des Konzerts mehrheitlich unter zwischen dem Schlagzeug- und Gitarrengetöse. Ihr Britrock, angehaucht mit Elementen aus Western und Country-Folk, ist auf Dauer dann leider auch etwas eintönig. Ansonsten boten die Jungs aber eine gute Show, die im Publikum bestens ankam.

Foals

Die Foals habe ich jetzt doch schon ein paar Mal live gesehen und war eigentlich immer begeistert. Doch am Zürich Openair mochten sie mich nicht wirklich vom Hocker reissen. Es kann auch sein, dass die Zeltbühne die Schuld trug, da ich die Zeltbühne nicht so sehr mag am ZOA. Vor allem eine Band wie die Foals braucht einen grossen Raum um sich zu entfalten, somit wäre die Hauptbühne eigentlich ideal gewesen. Jänu – ich glaube grundsätzlich war das Publikum ziemlich zufrieden mit diesem energiegeladenen Gig. Schliesslich fehlte auch keiner ihrer Hits, das Set war somit perfekt für ein Festival.

Die Antwoord

Bei dieser südafrikanischen Band wusste ich bereits, was mich erwarten würde, ich habe sie jedoch noch nie live gesehen. Ich muss schon sagen: Was sie musikalisch an Trash bieten, überbieten sie noch an Trash mit ihrer Show, aber das Gesamtpaket bei dieser seltsamen und verrückten Bandkombo stimmt einfach bis ins letzte Detail. Und genau diese Stimmigkeit sorgte dafür, dass dieses Konzert bis jetzt für mich eines der Highlights vom ZOA16 war.

 

Tag 2

Edward Sharpe & The Magnetic Zeros

Eine Hippie-Band wie aus dem Bilderbuch: Peace, Love und folkige Gute-Laune-Musik, so das Credo der Truppe. Nun war man am Konzert am ZOA etwas überrascht darüber, dass die Band ein total uninspiriertes Konzert bot. Was einem bald auffiel: Die Frau auf der Bühne fehlte. Als dann Sänger Alex Ebert vor ihrem Superhit „Home“ erwähnte „Yes, it’s true: she left“, war dann auch klar, weshalb der Frontmann so dermassen neben den Schuhen stand. Völlig unerwartet und ohne offizielle Begründung wurde seine Mitmusikerin Jade Castrinos kurz vor Beginn der momentanen Tour aus der Band geworfen (hier ein Artikel dazu). Scheinbar ziemlich rüpelhaft per E-Mail, wie die Sängerin via Social Media verlauten liess. Seltsame Geschichte, und man kann nicht leugnen, dass Jade bei der Performance in Zürich deutlich fehlte.

Dua Lipa

Dua Lipa hatte mit dem Auftritt am ZOA ihren ersten Auftritt überhaupt in der Schweiz, daher wurde ihr Erscheinen natürlich in hohem Masse gefeiert. Jedoch kann ich mit diesem elektronischen Retorten-Pop einfach wirklich nicht viel anfangen… Für Freunde dieses Genres bestimmt eine ganz tolle Performance, für mich einfach nur langweilig.

Amy MacDonald

Die liebe Amy, man muss sie einfach gern haben. Die sympathische Schottin bietet gemütlichen, manchmal rockigeren Folkpop, immer dominiert von ihrer eingängigen und speziellen Stimme. Ihr Auftritt war routiniert und unspektakulär, hat aber im grossen und ganzen Spass gemacht. Zum Schluss gab’s sogar noch eine Luftschlangen-Dusche fürs Publikum, was ein sehr schöner Abschluss des Konzerts war.

Jack Garratt

Der junge Sänger und Multi-Instrumentalist Jack Garratt bot eine beeindruckende Show, auch wenn die Musik wieder nicht so mein Fall war. Ich habe ihn nicht gesehen, nur gehört, da ich auf der Terrasse vom Feldschlösschen Turm stand. Jedoch wurde mir gesagt, dass er das ganze Set ganz alleine auf der Bühne bestritt mit Drumcomputer, Keyboard und Effektpedalen. Die Show war sehr energiegeladen und solide.

The Chemical Brothers

Obwohl scheinbar das ganze Publikum schier durchgedreht ist ob der chemischen Brüder, hat mich persönlich dieser Act total kalt gelassen. Es hätte gerade so gut niemand auf der Bühne stehen müssen. Oder der Samichlaus. Es wäre niemandem aufgefallen. Da hat jemand pünktlich um 21.30 Uhr auf seinem iPod den Play-Button gedrückt und pünktlich um 23 Uhr wieder auf Stop gedrückt. Dazwischen ein paar coole Licht- und Video-Effekte, und fertig war der Salat.

Sigur Ros

Sigur Ros, die eigentlich um 22.45 Uhr bereits hätten starten sollen, warteten zum Glück mit ihrer Show bis 23 Uhr, bis die Chemical Brothers ihr unglaublich lange dauerndes und lautes Set dann endlich beendet hatten. Völlig verständlich, denn man hätte auf der Zeltbühne, die sehr nahe an der Hauptbühne steht, sein eigenes Wort nicht verstanden. Doch sobald der letzte Ton auf der Hauptbühne dann verklungen war, ging es los mit den Isländern. Einmal mehr bewies die Band, dass sie ihren eigens kreierten Musikstil zur Perfektion getrieben haben. Sowohl Bühnenbild im Zusammenspiel mit der Lichtshow wie auch musikalisch waren diese knapp eine Stunde und zwanzig Minuten ein Erlebnis der ganz besonderen Art, welches, wie so oft, in ihrem phänomenalen, epischen Song „Popplagið“ gipfelte. Schade, waren sie nicht offizieller Headliner auf der Hauptbühne, das wäre für mich der ideale Tausch gegen die langweiligen Chemical Brothers gewesen. Auch hier: Jänu! Sigur Ros spielen immer mal wieder in der Schweiz, hoffentlich nächstes Mal wieder eine Clubshow in voller Länge wie damals im Volkshaus oder so, wäre schön!

Diverse Konzertvorschauen

Zur Überbrückung der Sommerpause gibts heute ein paar Konzert-Tipps für euch:

John J Presley
30. September 2016, Papiersaal in Zürich

Eine Stimme, rauer als ein Reibeisen, düstere, energiegeladene Gitarrenriffs und eine Aura, dunkler und geheimnisvoller als die von Darth Vader: John J Presley versteht sein Handwerk. Sein kratziges, voluminöses Stimmorgan schmeichelt dem vorantreibenden, schrammeligen, 70er-Jahre-angehauchten Bluesrock beinahe, stampfende, eindringliche Rhythmen begleiten die Gesamtszene. Man fühlt sich durch seine Musik in einen Tarantino-Film gleichermassen versetzt wie in einen klassischen Western oder ein Roadmovie im Drogendelirium.

Momentan wird der Engländer von Musikplattformen und – Zeitschriften nur so gehypet und als neuer, aufstrebender Stern am Indie-Himmel gehandelt. Nach dem Release einer 5-Track-EP arbeitet der Musiker nun an seinem Debut-Album und tourt mit den neuen Songs im Gepäck durch Europa und England.

In nicht all zu langer Zeit kann man die bärtige Urgewalt im kleinen Rahmen im Papiersaal in Zürich live erleben. Da Presley noch immer ein Geheimtipp ist, lohnt es sich auf alle Fälle, dieses Konzert zu besuchen.

Wallis Bird
19. September 2016, El Lokal in Zürich

Wallis Bird ist ein musikalischer und künstlerischer Tausendsassa. Mit ihrer endlosen, positiven und ansteckenden Energie hat sie einen künstlerischen Output, der jedem Musiker ein Beispiel sein sollte. Ihre Musik ist eine Mischung aus Pop, Folk, Hiphop und Rock, sie mixt munter alle Elemente, die ihr gefallen in ihre Songs und schafft damit einen ganz eigenen explosiven Stilmix, der so typisch Wallis Bird ist.

Ihre Konzerte sind regelrechte Partys. Es wird getanzt, gefeiert, mitgesungen und einfach nur mit der kleinen, imposanten Frau zusammen gelacht und genossen. Und trotz ihrer geringen Grösse füllt die Sängerin mühelos die grössten Bühnen mit ihrem Charisma und ihrer symphatischen Aura aus.

Nun steht ihr neues Album, „Home“, in der Pipeline und um dieses in die Welt herauszulassen gibt die Wahl-Berlinerin eine kleine Vorab-Tour, eine Welcome-Album Tour quasi. Dazu tourt die Sängerin solo durch Europa und bespielt nur ganz kleine Clubs und Bars, bevor sie eine grosse Welttournee startet. Selten hat man die Möglichkeit, diese gewaltige Frau so nah und intim zu erleben und deshalb sollte man sich das Konzert im El Lokal in Zürich auf keinen Fall entgehen lassen!

Blaudzun
10. November 2016, Bogen F in Zürich

Wer Blaudzun schon einmal live erleben durfte, der weiss, dass einem die Konzerte der niederländischen Band lange im Gedächtnis bleiben – auch wenn es nur der Muskelkater vom vielen Tanzen ist. Angefangen bei der unheimlichen, einnehmenden Aura und der betörenden Stimme des Sängers Johannes Sigmond über die zugänglichen, antreibenden Songs bis hin zu der mächtigen Wucht der (meistens) 7-köpfigen Musikertruppe stimmt bei dieser Band einfach das gesamte Paket.

Ihre Musik ist stark instrumentalisierter Indierock, geprägt durch kräftige und energiegeladene Perkussion, stets garniert von Frontmann Sigmonds Stimme. Diese weiss der grossgewachsene Sänger unerhört flexibel einzusetzen: Egal ob er mit seinem tiefen, schmeichelnden Timbre oder mit der kehligen, angriffslustigen Kopfstimme glänzt; Sigmond ist ein Meister seines Werks.

Blaudzun bringen am 7. Oktober ihr neustes Album „Jupiter Pt. 1“ heraus. Auf ihrer momentanen Tour wird man deshalb bestimmt einiges an neuem Material zu hören bekommen. Bald spielen sie im Bogen F in Zürich, was man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Die Band im kleinen Rahmen zu erleben, ist ein grosses Privileg. In ihrer Heimat muss man sich die sympathische Truppe nämlich in grossen Hallen mit tausenden anderen Menschen teilen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Blaudzun auch jenseits ihrer Landesgrenzen an diesen Erfolg anknüpfen. Ein kleiner Tipp: Da die letzten Konzerte alle ausverkauft waren, lohnt es sich, früh Tickets zu sichern.

News-Päckli für den Freitag

Einer meiner kanadischen Lieblings-Musikexporte, Dan Mangan, hat eine EP namens „Unmake“ herausgebracht, die, passend zum aktuellen Weltgeschehen, sehr zeitkritisch daherkommt. Die EP-Playlist kann man sich unter diesem Link anhören. Hier das Video „Race to the Bottom“ für euch:

Irgendwie ein wenig seltsam: Kakkmaddafakka scheinen doch endlich erwachsen geworden sein. Ihr neustes Album, KMF, ist schlicht und unaufgeregt und deutlich weniger wild als die Vorgänger. Nach einer ausgedehnten Clubtour sind sie den Rest vom Jahr hauptsächlich an Festivals unterwegs. Nun haben sie zum Song „May God“ ein Video veröffentlicht, welches erstaunlich züchtig in einem Museum spielt:

Seit zwei Tagen zieht ein unglaubliches Tanz-Video auf Facebook seine Kreise. Dieses möchte ich euch auch nicht vorenthalten. (Director: Brahim YAQOUB, Dancers: Sofiane Tiet x Nathalie Fauquette, Choreographer: Sofiane Tiet, Music: BOARCROK – Eulogy)

Die Verehrung von James Bay, dessen weltweiten Erfolg ich schon vor drei Jahren vorausgesagt habe, nimmt auch in diesem Jahr nicht ab. Im Juli wird er unter anderem am Gurten Festival in Bern auftreten. Im Januar trat er bei Stephen Colbert auf, das wunderbare Video dazu gibt’s hier:

Sivert Høyem ist zwar ziemlich häufig in der Schweiz unterwegs, wer allerdings eines seiner letzten Konzerte verpasst hat, hat am 13. Oktober im Bierhübeli in Bern erneut die Chance. Dort wird er sein neustes Album „Lioness“ promoten. Tickets gibt es via Starticket.

Konzert-Kritik: We Are Scientists, 8. Juni 2016 im NEO Zürich

We Are Scientists sind drei Wirbelwinde aus New York, die zwar Musiker sind, aber genau so gut Komiker hätten werden können. Zwischen den Songs plapperten sie in Zürich im NEO jedenfalls so viel Blödsinn, dass man zeitweise hätte meinen können, man sei in einer Standup-Comedy-Show. Aber nein, es war ein Konzert – und was für eines!

Es wurde nicht lange gefackelt und nach einem etwas seltsamen Intro ging es dann auch gleich los mit schnellem Rhythmus, dahinfetzenden Gitarrenriffs und den typisch rasanten Songs der Band, die sofort zum Tanzen animierten. Jedoch war Tanzen eher schwierig und das lag hauptsächlich an der räumlichen Begrenzung, die vorne an der Bühne herrschte und gleichzeitig dem etwas ungeschickt platzierten und leider einzigen Durchgang zu den Toiletten direkt neben der Bühne, was ein unangenehmes stetiges Hin- und Herschubsen und Drängeln zwischen den Leuten unvermeidbar machte. Ausserdem war auch bis kurz vor Konzertbeginn die Küche noch geöffnet, ebenfalls direkt neben der Bühne und nur zur Hälfte mit einer Glasscheibe abgetrennt, was einerseits zu Drängeln zwischen Kellnern und Publikum führte und dazu, dass man sich eher in einer Imbissbude als in einer Konzertvenue wähnte.

Für die Location kann die Band aber reichlich wenig, nur kurzgefasst: das NEO ist von den Räumlichkeiten her nicht wirklich geeignet für Konzerte und das hinterliess wohl bei einigen Besuchern einen fahlen Beigeschmack. Schliesslich musste man sich vorne vor die Bühne zwängen, da man weiter hinten im Raum wegen der Bar und Galerie, die weit in den Raum hinein reichte, leider überhaupt nichts mehr sehen konnte.

Nun denn, zurück zu den „Wissenschaftlern“: Sie machten ihre Sache wirklich gut. Man könnte ihnen höchstens vorwerfen, dass sie etwas unmotiviert und abgebrüht oder müde wirkten, allerdings kann das auch einfach ihre Attitüde gewesen sein. Nichts desto trotz, die Musik hatte ordentlich Wumms. Sie war zwar nicht wirklich sauber abgemischt, was aber auch wieder an den Räumlichkeiten und der etwas spärlichen Anlage mit ausserdem ziemlich nervigem Feedback gelegen haben könnte, aber der Sound war druckvoll und satt. Auch die Mischung der Songs war gut gewählt, denn sowohl das neue Material wie auch alte Hits wechselten sich stetig ab. Und obwohl die Jungs ihr neustes Album „Helter Seltzer“ als bisher wildestes Album ihrer Karriere bezeichnen, hatten die älteren Songs doch noch etwas mehr Zug drauf.

Zusammengefasst kann man sagen, dass We Are Scientists alles richtig gemacht haben, aber durch die Location den Konzertgenuss ein wenig getrübt wurde. Eine grössere Bühne, eine bessere Anlage und ein stimmigeres Ambiente hätten der Band die Plattform gegeben, die sie verdient hätte.

Konzert-Vorschau: Foy Vance, 29. November 2016 im Papiersaal in Zürich

Irland ist bekannt für seine grandiosen Musikexporte. Auch mit Foy Vance schickten sie ein weiteres Juwel hinaus in die grosse weite Welt. Geboren im nordirischen Bangor zog er schon als ganz kleines Kind mit seiner Familie nach Oklahoma in den USA und lernte dort schon früh Musikstile wie Soul, Gospel und Blues kennen. Die Faszination an diesen Elementen begleitete den Musiker auch noch, als er wieder zurück in Irland war. Die Symbiose zwischen seinen irischen Wurzeln und dem Mix an ursprünglicher amerikanischer Volksmusik ergeben einen wunderbaren, ganz eigenen Musikstil, der Vance richtig auf den Leib geschneidert ist.

Sein Erfolg kam schleichend, und auch heute erhält Vance noch nicht die Anerkennung, die er mit seiner gehaltvollen, liebevollen und vielseitigen Musik eigentlich verdient hätte. Einen grossen Schub gaben ihm jeweils einige Einspielungen in TV-Serien wie zum Beispiel in der Ärzte-Serie „Grey’s Anatomy“.

Nun hat der talentierte Ire gerade eine neue CD herausgebracht: „Wild Swan“ ist seit 13. Mai in Europa erhältlich. Mit den neuen Songs im Gepäck wird er einerseits Elton John auf seiner kommenden Tour im Herbst supporten und gleichzeitig selber einige Konzerte spielen. So auch am 29. November im Papiersaal in Zürich. Der intime Rahmen wird Foy Vance die ideale Plattform bieten, um seine emotionalen und imposanten Songs zu präsentieren. Tickets gibt es via Starticket.